Widertonmoos – Die wichtigsten Arten auf einen Blick

Heute sprechen wir speziell noch einmal über Widertonmoos. Wer bereits den Artikel über 11 Moose für ewige Terrarien gelesen hat, wird sich daran erinnern, dass dort zwei unterschiedliche Arten von Widertonmoos genannt wurden. Diese sind das Gewöhnliche Widertonmoos und das Schöne Widertonmoos. In diesem Artikel schauen wir uns noch einmal die ganz konkreten Unterschiede an und welche weiteren Vertreter der Widertonmoose es noch gibt. Dazu gehören die äußerlichen Merkmale, die damalige und heutige Nutzung, die Fundorte und etwaige Geschichten, die sich über die Jahrhunderte zu diesen Moosen gebildet haben. Außerdem schauen wir uns noch andere Widertonmoose an, die du für dein ewiges Terrarium benutzen kannst.

Gewöhnliches Widertonmoos

Das Gewöhnliche Widertonmoos (Polytrichum commune) ist gar nicht so viel hässlicher als das Schöne Widertonmoos. Wie alle Widertonmoose gehört es zur Gattung Polytrichum, also plump der Widertonmoose. Es trägt auch viele weitere Namen. So ist es auch als Goldenes Frauenhaarmoos, als Gemeines Widertonmoos und als Großes Haarmützenmoos bekannt. Im Jahre 2010 wurde es von der Bryologisch-lichenologischen Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa zum Moos des Jahres 2010 gewählt. Irgendwie ist das schon seltsam, aber auch cool, dass jährlich ein Moos einen Preis gewinnt, oder?

Ewiges Terrarium Goldenes Frauenhaarmoos
Gewöhnliches Widertonmoos. Quelle: Hans Hillewaert bei Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Merkmale des Gewöhnlichen Widertonmoos

Wie du oben sehen kannst, bildet das Gewöhnliche Widertonmoos ein ziemlich dichtes Polster, das von oben wie viele kleine Sternchen aussieht. Man nennt sie auch Blattsternchen. Das Polster ist meist ein sattes dunkelgrün, kann aber auch blau-grün sein. Das siehst du etwas weiter unten. Die Stängel können zwischen 10 cm und 40 cm hoch werden und bilden spiralförmig abstehende Blätter. Obwohl sie etwas aussehen wie Tannenzweige, sind sie ziemlich weich. Besonders auffällig sind die Sporenkapseln, die zur Fortpflanzung verwendet werden und nicht immer bestehen. Diese nehmen eine braun-rote bis gold-gelbe Farbe an und befinden sich am Ende der Stängel.

Gemeines Widertonmoos blau
Grün-bläuliche Stängel des Gemeinen Widertonmooses. Quelle: Michael Becker bei Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Gemeines Widertonmoos Sporenkapsel
Sporenkapseln des Gemeinen Widertonmooses. Quelle: Kristian Peters bei Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Wo du Gewöhnliches Widertonmoos finden kannst

Gemeines Widertonmoos kannst du überall auf dem Planeten finden, und das sogar in Höhen von bis zu 2000 m! Am häufigsten findest du es aber in feuchten Nadelwäldern. Allgemein tritt es in der nördlichen Erdhalbkugel häufiger auf. Es ist allerdings auch in Neuseeland oder Australien heimisch. Es gibt wirklich kaum einen Ort, an dem sich dieses Moos nicht aufhält.

Wozu Gewöhnliches Widertonmoos benutzt wird

Heutzutage hat das Moos keine großen Anwendungszwecke mehr, außer dass es schön aussieht und zur Dekoration verwendet werden kann. Im Mittelalter hingegen hatte es einen wichtigen Anwendungszweck. Da es sehr zugfest ist, wurden daraus sogenannte Mooszöpfe geflochten. Hat man genug Widertonmoos benutzt und diese Zöpfe lang genug gemacht, konnte man daraus ganze Schiffstaue basteln und damit Schiffe im Hafen anbinden.

Geschichte des Gewöhnlichen Widertonmoos

Früher im Mittelalter glaubte man noch an Zauberei, genauer gesagt Analogiezauber. Das Gemeine Widertonmoos wurde im Kleinen Destillierbuch von Hieronymus Brunschwig im Jahre 1500 zur Herstellung einfacher Heilmittel beschrieben. Auch für Alchemisten war es aufgrund der gold-gelben Farbe seiner Sporenkapseln interessant, um die sogenannte Materia prima darzustellen. Es wurde allgemein geglaubt, dass sich Gegenstände in eine formlose Basis zurück verwandeln lassen, aus denen dann bessere, neue Gegenstände geformt werden konnten. Interessant waren neben dem Gewöhnlichen Widertonmoos auch diverse Sonnentau-Arten und Schöllkraut, die ebenfalls eine gold-gelbe Farbe aufweisen konnten.

Schönes Widertonmoos

Das Schöne Widertonmoos (Polytrichastrum formosum) ist nahe mit seinem eben genannten Vorgänger verwandt und unterscheidet sich optisch gar nicht so stark. Obwohl es offensichtlich einen „schöneren“ Namen hat, wurde es leider noch nie Moos des Jahres. Hoffentlich aber bald! Es wird übrigens auch Schönes Frauenhaarmoos genannt.

Ewiges Terrarium Schönes Widertonmoos
Schönes Widertonmoos. Quelle: Alexander Klink bei Wikimedia Commons, CC BY 3.0

Merkmale des Schönen Widertonmoos

Optisch ist dieses Moos dem Gewöhnlichen Widertonmoos auch nicht unähnlich. Es nimmt eine ähnliche Farbe an, hat ähnlich aussehende Stängel und auch die spiralförmig angebrachten Blätter unterscheiden sich kaum. Höhentechnisch ist hier aber schon ein Unterschied feststellbar. Das Schöne Widertonmoos wird nur etwa 5 cm bis 15 cm hoch. Für ein Moos ist das schon hoch, keine Frage. Aber an das Gewöhnliche Widertonmoos mit 40 cm kommt es noch lange nicht heran.

Auch dieses Moos bildet Sporenkapseln. Bei diesen kann es allerdings schon bei leichten Berührungen passieren, dass sie aufplatzen und einen wahren Sporenregen auslösen. Das kann in einem ewigen Terrarium hin und wieder zu einem ganz schönen Hingucker sorgen! Die Stiele hier nennt man übrigens auch Seta, oder Kapselstiele.

Schönes Widertonmoos Sporenkapseln
Sporenkapseln des Schönen Widertonmoos. Quelle: Kristian Peters bei Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Wo ist Schönes Widertonmoos zu finden?

Genau wie das Gewöhnliche Widertonmoos findest du das Schöne besonders in der nördlichen Nordhalbkugel, aber eigentlich auf dem gesamten Planeten. In Gebirgen kann es sich überall dort befinden, wo auch Bäume stehen. Oberhalb davon findest du es eher nicht. In Europa gehört es zu den häufigsten Moosen in Wäldern überhaupt. Es verträgt sehr geringe Lichtverhältnisse und mag es feucht, aber nicht nass!

Wacholder-Widertonmoos

Der nächste Vertreter der Widertonmoose und auch der erste, der nicht in der ursprünglichen Liste der 11 Moose zu finden war, ist das Wacholder-Widertonmoos (Polytrichum juniperinum). Anders als der Name vielleicht vermuten lassen mag, ist es nicht mit Wacholderbeeren verwandt und trägt auch selbst keine Beeren. Man kann aus diesem Moos also auch keinen Gin machen. Schade aber auch.

Wacholder-Widertonmoos
Wacholder-Widertonmoos bildet größere Blattsterne. Quelle: Juni bei Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Merkmale des Wacholder-Widertonmoos

Die Blätter dieses Mooses sind größer als die seiner Artgenossen, wie du durch die kräftigeren Blattsterne erkennen kannst. Ist bleibt allgemein kleiner und buschiger als die bisher genannten Arten und erreicht Höhen von ungefähr 2 cm bis 7 cm. Damit eignet es sich sehr gut für ewige Terrarien, da es nicht alles zuwuchern wird. Manchmal sind die Blätter an den Enden leicht rötlich gefärbt, was ganz schick aussehen kann.

Ist dieses Moos trocken, liegen die Blätter eng an den Stängeln an. Erst im feuchten Zustand nehmen sie ihre typische Sternform an. Das kann in deinem ewigen Terrarium ein gutes Indiz dafür sein, ob dein Wasserzyklus in Ordnung ist.

Wo du es finden kannst

Dieses Moos ist noch verbreiteter als seine Artgenossen und ist sowohl auf flachen Ebenen als auch auf steilen Gebirgen beheimatet. Dabei ist es egal, ob es sich um tropische Berge oder um die höchsten Punkte der Alpen handelt. Das Moos ist super widerstandsfähig und wächst auch gern auf trockenem Sandboden in praller Sonne. Nur Kalk verträgt es überhaupt nicht. Falls du es in deinem ewigen Terrarium benutzt, solltest du also von Leitungswasser absehen und destilliertes Wasser oder Regenwasser benutzen.

Wikipedia gibt zudem an, dass dieses Moos häufig an Bahngeländen zu finden sein soll. Pass aber bitte auf vorbeifahrende Züge auf, falls du dort suchen gehen solltest!

Glashaar-Widertonmoos

Der Name ist nicht unbedingt offiziell, wird im Deutschen aber neben den Begriffen Glashaar-Haarmützenmoos und Haartragendes Frauenhaar-Moos auch benutzt. Also manchmal verwundern mich Moosnamen ja schon sehr. Man denke zurück an den Sparrigen Runzelbruder. Der wissenschaftliche Name des Glashaar-Widertonmoos ist Polytrichum piliferum und klingt damit schon etwas seriöser.

Polytrichum piliferum Widertonmoos
Polytrichum piliferum ist klein und stachelig. Quelle: Michael Becker bei Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Merkmale des Glashaar-Widertonmoos

Wie du vielleicht merkst, entwickelt sich hier ein Trend. Je mehr Moose wir uns anschauen, desto kleiner und buschiger sehen sie aus. Dieses Moos wird nur selten größer als 3 cm und ist relativ locker und nicht so dicht wie die anderen Moose hier. Farblich sind sie blau-grün, dunkelgrün oder auch braun-grün. Auf dem obigen Bild ist es nicht ganz so gut zu erkennen, aber wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass die Sternzacken auf Glashaare hinauslaufen. Daher kommt auch der inoffizielle Name.

Polytrichum piliferum Glashaar-Widertonmoos
Die Blüte des Glashaar-Widertonmoos. Quelle: Anghy bei Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Das Moos kann außerdem eine rote Blüte tragen, die sehr schön aussehen kann, wenn der gesamte Moos-Rasen mit diesen kleinen roten Punkten übersät ist!

Wo Glashaar-Widertonmoos zu finden ist

Genau wie bisher alle anderen ist dieses Moos über den gesamten Erdball zu finden. Das schließt sogar die Antarktis mit ein! Ähnlich wie fleischfressende Pflanzen wächst es wunderbar in nährstoffarmen Böden. Beispielhaft dafür sind zum Beispiel Sand, Felsen oder auch Moorböden. Damit eignet sich dieses Moos auch ziemlich gut für ewige Terrarien mit fleischfressenden Pflanzen. Pralle Sonne und auch vollkommende Trockenheit machen diesem Moos auch nichts aus. Falls du dich häufig zwischen Dünen oder auf Stränden herumtreibst, bist du sicher schon einmal welchem begegnet.

Steifblättriges Frauenhaar

So schnell der Trend entstand, so schnell war er auch wieder gebrochen. Wir schließen ab mit einem wieder etwas größerem Moos und zwar dem Steifblättrigen Frauenhaar (Polytrichum strictum), das man natürlich auch etwas seriöser als Steifblättriges Widertonmoos bezeichnen kann. Dieses Moos hat farblich ganz schön was zu bieten und kann einem ewigen Terrarium einen ziemlich frischen Touch geben.

Steifblättriges Widertonmoos Frauenhaar Polytrichum strictum
Steifblättriges Frauenhaar gleicht einer Blumenwiese. Quelle: Kristian Peters bei Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Merkmale des Steifblättrigen Frauenhaar

Wie du siehst, gleicht es einer Wiese aus kleinen, rot-gelben Blumen. Zusammen mit dem frischen Grünton lässt es jedes ewige Terrarium frisch und energetisch aussehen. Wie bereits angesprochen, bricht dieses Moos unseren aufgestellten Trend und ist wieder etwas größer. Die Stängel erreichen Größen von 10 cm bis 15 cm. Hierbei ist wichtig anzumerken, dass es sich um die männliche Pflanze und nicht um die weibliche handelt. Die hat diese blumenartigen Stängel nicht. Man nennt diese Stängel übrigens Antheridenstäbchen. Die weiblichen Pflanzen können auch ganz hübsch aussehen, sind aber nicht so ein Eye-Catcher.

Steifblättriges Frauenhaar weiblich Polytrichum strictum
Das weibliche Steifblättrige Frauenhaar ist auch schön, aber sticht nicht ganz so ins Auge. Quelle: Kristian Peters bei Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Wo du Steifblättriges Frauenhaar finden kannst

Dieses Widertonmoos wächst besonders in Hochmooren zwischen und auf anderen Torfmoosen, aber auch an anderen feuchten und sauren Orten. Es eignet sich damit ebenso gut für ein ewiges Terrarium mit fleischfressenden Pflanzen und sieht dabei auch noch toll aus. Es ist größtenteils in der Nordhalbkugel verbreitet, tritt aber vereinzelt auch im südlichsten Teil Südamerikas auf.

Wenn du es suchst, wirst du wahrscheinlich in fast jedem Moor Glück haben.

Frühere Verwendung als Glücksbringer

Einige Funde deuten darauf hin, dass dieses Moos früher als Glücksbringer verwendet wurde und zudem auch böse Geister vertreiben sollte. Dazu wurde es in Ritzen zwischen Häusern gestopft. Dadurch konnten böse Geister diese Ritzen nicht für sich beanspruchen. Klingt logisch, oder?

Pragmatischer betrachtet wurde dieses Moos aber auch zur Herstellung von Bürsten und Besen verwendet, was ein bisschen einleuchtender ist. Heutzutage dient es als immerhin noch als tolle Dekoration für ein ewiges Terrarium.

Zusammenfassung

Heute hast du einiges über die wichtigsten Widertonmoos-Arten gelernt. Das Glashaar-Widertonmoos hört bei knapp 3 cm auf zu wachsen und bildet schöne roten Blüten, die den ganzen Moos-Rasen überziehen können. Das Steifblättrige Frauenhaar hingegen zeichnet sich durch knallgelbe, blumenartige Stängel aus, die in einem ewigen Terrarium eine Wiese nachahmen können. Das größte Widertonmoos ist das Gewöhnliche Widertonmoos und wird bis zu 40 cm hoch. Für einen Sporenregen bist du mit dem Schönen Widertonmoos gut beholfen. Viele von ihnen haben zusätzlich eine spirituelle Bedeutung in der Vergangenheit gehabt oder wurden für praktische Zwecke verwendet.

Andere geeignete Pflanzen für dein ewiges Terrarium findest du in diesem Artikel hier.

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